Indy 2015: Originaler Mercedes-Benz Grand-Prix-Siegerwagen im Vorprogramm

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Der legendäre Mercedes mit der spitz zulaufenden Kühlerverkleidung basiert auf dem Grand-Prix-Rennwagen von 1908 – sein seriennaher Motor entlässt 90 PS auf die Holzspeichenräder. Foto: Daimler/dpp-AutoReporter

Raffaele ‚Ralph‘ DePalma gewinnt am 31. Mai 1915 auf Mercedes Grand-Prix-Wagen das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis/USA. Mit dem Boliden hatte das Mercedes-Team 1914 den historischen Dreifachsieg im Grand Prix von Frankreich errungen. Am 24. Mai 2015 umrundet das originale Siegerfahrzeug in Indianapolis den Ovalkurs im Vorprogramm der diesjährigen ‚Indy 500‘. Damit erhält ein besonderer Mercedes Grand-Prix-Rennwagen fast auf den Tag genau 100 Jahre nach Ralph DePalmas großartigem Triumph die Ehre, im Vorprogramm der Indianapolis 500 eine Runde auf dem berühmten Ovalrennkurs zu absolvieren. Es handelt sich um das originale Siegerfahrzeug, mit dem Christian Lautenschlager den Grand Prix von Frankreich im Jahr 1914 gewinnt. Mercedes erzielt damals einen Dreifachtriumph. DePalma kauft direkt nach dem Grand Prix das Fahrzeug des Zweitplatzierten Louis Wagner für 6000 Dollar (etwa 25.200 Reichsmark) und fährt damit in Nordamerika ab August 1914 sehr erfolgreich Rennen - und unter anderem 1915 bei den Indianapolis 500 zum Sieg. Der Mercedes Grand-Prix-Rennwagen gilt aufgrund seiner herausragenden Konstruktionsdetails und seiner bahnbrechenden Erfolge als einer der wichtigsten Rennwagen überhaupt.

Das Fahrzeug basiert auf dem Grand-Prix-Rennwagen des Jahres 1908 und ist mit einem überarbeiteten 37/90 PS-Serienmotor ausgerüstet und zeichnet sich durch Holzspeichenräder sowie eine spitz zulaufende Kühlerverkleidung aus. Entwickelt wird dieses Fahrzeug von den Ingenieuren der Daimler-Motoren-Gesellschaft für das rund 750 Kilometer lange Rennen um den Großen Preis von Frankreich 1914 in Lyon. Weil der Hubraum für den Großen Preis auf 4,5 Liter beschränkt wird, erhält der Mercedes Grand-Prix-Rennwagen einen völlig neu konstruierten Vierzylindermotor mit oben liegender Nockenwelle und vier Ventilen pro Zylinder - das ist eine Premiere in einem Mercedes-Motor. Der Rennmotor mit Königswellenantrieb leistet trotz des drastisch reduzierten Hubraums bis zu 78 kW/106 PS - nicht zuletzt dank der damals revolutionär hohen Drehzahl von 3100/min. Die Mercedes-Ingenieure setzen beim neuen Rennwagen außerdem auf Gewichtsersparnis und eine aerodynamisch optimierte Karosserie.

Ralph DePalma prägt seine Epoche des Motorsports mit Rennerfolgen auf verschiedenen Fabrikaten ebenso wie durch seine Fairness. In 27 Jahren bestreitet der gebürtige Italiener, der 1906 seinen ersten Rennwagen selbst baut, insgesamt 2.889 Rennen. Davon gewinnt er nicht weniger als 2.557. Die meisten dieser Wettbewerbe finden auf Sandstrecken statt, aber auch auf Pisten aus Asphalt, Holz, Zement und Ziegelsteinen. Ralph DePalma stirbt 1956 im kalifornischen Pasadena. (dpp-AutoReporter/wpr)