Ökonom Kleinknecht: „In nächsten 5 Jahren kommt die 30-Stunden-Woche“

Picture

Ökonom Kleinknecht: „In nächsten 5 Jahren kommt die 30-Stunden-Woche“. Foto: BMW/ dpp-AutoReporter

Der rasante technische Fortschritt wird die Debatte um deutliche Arbeitszeitverkürzungen wieder anfachen. Davon ist der Ökonom Alfred Kleinknecht überzeugt, der als Innovationsforscher an der TU Delft lehrte und jetzt am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf arbeitet. „Wir stehen vor einer Revolution, die durch die Informationstechnik ausgelöst wird", sagte Kleinknecht im Interview mit den VDI nachrichten. Das habe erhebliche Produktionssprünge zur Folge. „Das ist an sich gut, kann aber dazu führen, dass Arbeitslosigkeit steigt und die Akzeptanz von Technik schwindet."

Außerdem rechnet Kleinknecht damit, dass die Unternehmen auf den demografischen Wandel mit noch mehr Effizienz reagieren werden. „Zur Bewältigung des demografischen Wandels und der Alterung der Gesellschaft brauchen wir mehr Innovation und eine höhere Wertschöpfung pro Arbeitsstunde. Das jedoch kostet Beschäftigung, wenn die Arbeitszeit gleich bleibt."

Deshalb komme das Thema Arbeitszeitverkürzung wieder auf die Tagesordnung, ist sich der Ökonom sicher. „Daher werden wir in den nächsten Jahren nicht umhinkommen, über Arbeitszeitverkürzung zu reden", so Kleinknecht. „Ich könnte mir vorstellen, dass man in den nächsten fünf Jahren auf eine 30-Stunden-Woche kommt." Nicht längere, sondern kürzere Arbeitszeiten und zugleich hoher Lohndruck führten zu wachsender Produktivität und Innnovation. „Durch die IT-Revolution liegt hier ein großes Potenzial, das darauf wartet, ausgeschöpft zu werden."

Deutschland verdanke seine Erfolge seit den 1950er-Jahren einem Innovationsmodell, das auf dem langfristigen Aufbau von Kenntnissen für die ständige Verbesserung von Produkten, Prozessen und Systemen beruht, so Kleinknecht. „Außer den Japanern beherrscht das niemand so gut wie die Deutschen." Doch dieses Modell sei durch die „Lockerung des Kündigungsschutzes und die Schaffung von mehr flüchtigen Arbeitsverhältnissen" gefährdet. (dpp-AutoReporter)