Weihnachtsfeier: Steuerlicher 110-€-Freibetrag verdoppelt, wenn...

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Arbeitgeber dürfen jetzt viel großzügiger einladen. Foto: dpp

Gute Kunde sowohl für spendable Firmen als auch für ihre Beschäftigten: Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in zwei Grundsatzentscheidungen seine bisherige Rechtsprechung zur Steuerfreiheit von Betriebsfesten deutlich verbessert. Die seit mehr als zehn Jahren angewandte steuerfreie Höchstgrenze von 110 Euro pro Mitarbeiter-Teilnehmer hat das höchste Steuergericht zwar (noch) beibehalten. Doch „Teilnehmer" sind nunmehr auch mitfeiernde (Ehe-)Partner, Freundinnen oder Freunde. Sie können „doppelte Freude" auslösen...

Damit ist den Arbeitgebern weit mehr Spielraum eingeräumt, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Lust darauf machen, an „Veranstaltungen zur Förderung der Betriebsgemeinschaft" teilzunehmen, ohne dafür zur Steuerader gelassen zu werden. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern zumindest auch für eine weitere Firmenfeier im laufenden Kalenderjahr.

Im ersten der beiden vom BFH entschiedenen Fälle wird unterstrichen, dass „Zuwendungen eines Arbeitgebers anlässlich einer Betriebsveranstaltung" durch die von ihm finanzierten Leistungen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „objektiv bereichern". Das sei aber nur bei Leistungen der Fall, die von den Teilnehmer „unmittelbar konsumiert werden" könnten. Dazu zählten vor allem Speisen, Getränke und Musikdarbietungen. Aufwendungen, die die Ausgestaltung der Betriebsveranstaltung betreffen, etwa Mieten und Kosten für die Beauftragung eines Eventveranstalters, „bereicherten die Teilnehmer hingegen nicht". Sie bleiben deshalb - anders als bisher - bei der Ermittlung der maßgeblichen Kosten, die auf die Teilnehmer aufzuteilen sind, außen vor.

In diesem Fall führte das zur Steuerfreiheit der vom Arbeitgeber ausgerichteten Jubiläumsfeier. Das heißt: Den Aufwand für die auftretenden Künstler, den Eventveranstalter und die Raummiete mussten herausgerechnet werden. Die Teilnehmer brauchten keine Steuer zu zahlen (beziehungsweise der Arbeitgeber brauchte an ihrer Stelle keine pauschalen Abgaben zu entrichten). (AZ: VI R 94/10)

Im zweiten Fall war das Ergebnis, dass die Firmen nunmehr die Kosten der Veranstaltung auf alle Teilnehmer aufzuteilen haben, also nicht nur auf die Beschäftigten, sondern auch auf die mitfeiernden Familienangehörigen oder Bekannten. Diese Kosten beliefen sich auf 68 Euro „pro Teilnehmer", was bisher - auf den einzelnen Arbeitnehmer bezogen - 136 Euro ergab, falls er in Begleitung teilgenommen hatte. Da damit aber nach bisherigem Recht die 110 Euro-Grenze für die nicht „solo" erschienenen Mitarbeiter überschritten war, berechnete das Finanzamt Einkommensteuern nach. Das wurde vom Bundesfinanzhof ebenfalls korrigiert. (AZ: VI R 7/11)

Im Klartext: Der (zunächst noch weiter bestehende) Freibetrag von 110 Euro verdoppelt sich auf 220 Euro, wenn die Partner/innen der Belegschaftsmitglieder mit eingeladen sind. Sollten sogar deren Kinder willkommen sein, dann zählen auch sie „solo"... Wolfgang Büser/dpp