Keine Vision mehr - Fahrerlos transportiert

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Logistik der Zukunft: Im Förderprojekt Villa Ladenburg wird untersucht, inwieweit vollautomatisches Fahren im Güterverkehr auf der Straße sinnvoll und praktisch umsetzbar ist. Foto: Daimler und Benz Stiftung/Illustration Vierus & Wilfert/dpp-AutoReporter

Am Ende eines Arbeitstags von einem vollautomatisierten Fahrzeug fahrerlos nach Hause gebracht zu werden - das ist angesichts des technologischen Fortschritts eine leicht vorstellbare Vision im autonomen Straßenverkehr. Doch wie steht es um die Logistik der Zukunft? Wann sind etwa autonome Transportketten sinnvoll? Die Daimler und Benz Stiftung fördert im Projekt Villa Ladenburg die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den gesellschaftsrelevanten Fragestellungen rund um das automatisierte Fahren.

Rund 1,5 Millionen Euro investiert die Daimler und Benz Stiftung in das Förderprojekt Villa Ladenburg. Ziel ist die Untersuchung der individuellen und gesellschaftlichen Anforderungen des autonomen Fahrens - ob im Personen- oder im Güterverkehr, ob in Stadtfahrten, über Land oder auf der Autobahn. Dafür fördert sie zwei Jahre lang ein Team von über 20 Wissenschaftlern, die sich in ihren Forschungsaktivitäten intensiv mit dem autonomen Straßenverkehr befassen, darunter das Kernteam der vier Projektleiter mit ihren Arbeitsgruppen.

Eine der externen Spezialisten ist Prof. Dr. Heike Flämig vom Institut für Verkehrsplanung und Logistik der Technischen Universität Hamburg-Harburg. „Fahrerlose Transportsysteme sind bereits heute vielfach erfolgreich unterwegs, jedoch nach wie vor in klar definierten Bereichen", betont die Expertin. An logistischen Knotenpunkten wie Häfen, Distributionszentren und Produktionsstätten befänden sich autonome Fahrzeuge im tagtäglichen Einsatz - ein Bereich des autonomen Fahrens, der seitens der Medien derzeit kaum wahrgenommen wird. Dazu gehörten beispielsweise auch elektronisch gedeichselte, also berührungslos an ein Führungsfahrzeug gekoppelte Fahrzeuge.

Im Projekt Villa Ladenburg untersucht die Wissenschaftlerin, inwieweit vollautomatisches Fahren im Güterverkehr auf der Straße sinnvoll ist. Denn nicht alles, was technisch möglich ist, ist in der Praxis umsetzbar. Nach Flämig stellt der Wegfall des Fahrers einen starken Eingriff in die gesamte logistische Prozesskette dar - vor allem dann, wenn er nicht nur das Be- und Entladen des Fahrzeugs übernimmt.

So ist etwa die Endzustellung von Gütern, Waren oder Paketen, sobald sie mit Verräumungs- oder Montagetätigkeiten verbunden ist, heute ohne den Menschen kaum denkbar. Sie müsste vollkommen neu konzeptioniert werden. Einen weiteren Forschungsschwerpunkt bildet der Perspektivenwechsel autonomer Transportfahrzeuge zwischen abgegrenzten Betriebsgeländen und öffentlichen Straßen.

Flämig: „Es genügt nicht, sich um die rechtlichen Aspekte zu kümmern. Wir müssen uns vielmehr grundlegend die Frage stellen, was alles autonom transportiert werden kann." Dieser Ansatz soll mehr Klarheit über die einzelnen logistischen Prozesse bringen. Neben dem Güterverkehr im urbanen Raum würden im Hinblick auf autonomes Fahren etwa Massentransporte - wie in Abbaugebieten zur Rohstoffgewinnung - interessant. Darüber hinaus nimmt die Logistik-Expertin den Einsatz von Bergungsfahrzeugen oder in Land- und Forstwirtschaft benötigten Automobilen unter die Lupe. (dpp-AutoReporter/hhg)