IAA 2017: Mercedes-AMG Project ONE - Showcar mit Formel 1-Technologie

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Formel 1 für die Straße: Lufteinlässe prägen die Frontansicht des Mercedes-AMG Project ONE. Foto: Daimler/dpp-AutoReporter

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA, bis 24. September 2017) feiert das Mercedes-AMG Project ONE Weltpremiere: Das zweisitzige Supersportwagen-Showcar bringt erstmals Formel 1-Hybrid-Technologie auf die Straße. Der Performance-Hybrid leistet mehr als 1000 PS, seine Höchstgeschwindigkeit soll bei über 350 km/h liegen. Das Showcar entstand in Zusammenarbeit zwischen Mercedes-AMG und den Formel 1-Experten.


Das Konzeptfahrzeug gibt konkrete Hinweise auf ein kommendes Kleinserienmodell. Der High Performance Plug-in-Hybrid-Antrieb besteht aus einer integriert vernetzten Einheit aus Hybrid-Turbo-Verbrennungsmotor mit insgesamt vier Elektromaschinen: Eine ist im Turbolader integriert, eine befindet sich direkt am Verbrennungsmotor und ist mit der Kurbelwelle verbunden, zwei weitere treiben die Vorderräder an.


Der 1,6-Liter-V6-Hybrid Benzinmotor mit Direkteinspritzung und elektrisch unterstützter Turboaufladung stammt direkt aus dem Formel 1-Rennwagen. Die vier obenliegenden Nockenwellen werden über Stirnräder angetrieben. Um ein hohes Drehzahlniveau zu erreichen, sind die mechanischen Ventilfedern durch pneumatische Ventilfedern ersetzt. Das in Mittelmotorposition vor der Hinterachse eingebaute Triebwerk dreht daher bis zu 11.000/min, was für ein Straßenfahrzeug derzeit einzigartig ist. Für längere Haltbarkeit und die Verwendung von handelsüblichem Super plus Benzin statt Rennkraftstoff bleibt es jedoch bewusst unter dem F1-Drehzahllimit. Die Elektromotoren an der Vorderachse schaffen Rotorumdrehungen bis zu 50.000/min - derzeitiger Stand der Technik ist eine Drehzahl von 20.000/min.


Das Hochdrehzahltriebwerk wird durch einen Hightech-Turbolader zusätzlich beflügelt. Das Turboloch - also das verzögerte Ansprechen auf Fahrpedalbefehle bedingt durch die Trägheit des großen Laders - wird komplett eliminiert. Die Ansprechzeit wird stark reduziert und ist noch kürzer als bei einem V8-Saugmotor. Abgas- und Verdichter-Turbine sind voneinander getrennt mit optimaler Position zur Abgas- und zur Ansaugseite des V6-Motors positioniert und durch eine Welle miteinander verbunden. Auf dieser Welle befindet sich ein 90 kW starker Elektromotor, der je nach Betriebszustand die Verdichter-Turbine mit 100.000/min elektrisch antreibt.


Der elektrische Turbolader nutzt einen Teil der überschüssigen Energie aus dem Abgasstrom, um als Generator elektrische Energie zu erzeugen und diese entweder per Rekuperation in der Hochvolt Lithium-Ionen-Batterie zu speichern oder als zusätzlichen Vortrieb einem weiteren Elektromotor zuzuführen. Dieser leistet 120 kW, ist direkt am Verbrennungsmotor positioniert und über einen Stirnradantrieb mit der Kurbelwelle verbunden.


Hinzu kommen werden zwei weitere, je 120 kW starke Elektromotoren an der Vorderachse. Sie sind mit je einem Untersetzungsgetriebe mit den Vorderrädern verbunden. Die rein elektrisch angetriebene Vorderachse wird das individuelle Beschleunigen und Abbremsen jeweils radselektiv und damit eine individuelle Drehmomentverteilung für besonders hohe Fahrdynamik ermöglichen. Außerdem lässt sich mit den Achsmotoren auch die Bremsenergie zur Rekuperation nutzen - unter Alltagsfahrbedingungen voraussichtlich bis zu 80 Prozent. Diese Energie wird in der Batterie gespeichert und steht für eine etwas längere elektrische Reichweite von 25 km zur Verfügung.


Die Kraftübertragung auf die Hinterräder wird mittels eines komplett neu entwickelten 8-Gang-Schaltgetriebes erfolgen; es wird hydraulisch aktuiert und kann manuell über Schaltpaddles am Lenkrad oder automatisiert geschaltet werden.


Per variablem Allradantrieb (hybrid-angetriebene Hinterachse, elektrisch angetriebene Vorderachse) gelingt eine Beschleunigung von Null auf 200 (!) km/h in weniger als sechs Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits von 350 km/h.


Basis für die überragenden Fahreigenschaften des Mercedes-AMG Project ONE bildet das leichte und hochfeste Carbon-Monocoque, dessen Technologie ebenfalls aus der Formel 1 stammt. Das gilt auch für die Integration von Motor und Getriebe: Beide erfüllen mittragende Funktionen und nehmen vollständig die hintere Radaufhängungen auf. Für Verzögerung kommt eine weiterentwickelte Hochleistungs-Verbundbremsanlage aus Keramik zum Einsatz. (dpp-AutoReporter/wpr)