Bionik bei Ford: Die Antwort kennt nur der Gecko

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Für neue Verbindungstechnologien nehmen sich Ford-Entwickler die klebrigen Gecko-Zehen zum Vorbild. Foto: Ford/dpp-AutoReporter

Ford lässt sich für die Forschung nach innovativen Lösungen für eine nochmals nachhaltigere Automobilentwicklung und -produktion auch von der Natur inspirieren. Auf der Suche nach alternativen Klebeverbindungen ist der Konzern nun zum Beispiel auf den Gecko gestoßen. Die kleinen bis mittelgroßen Echsen faszinieren mit bemerkenswerten Klettereigenschaften: Selbst auf senkrechten, spiegelglatten Oberflächen und sogar überkopf finden sie mit ihren klebrigen Zehen sicheren Halt, ohne Kraft auszuüben oder spezielle Sekrete abzusondern. Und wenn sie sich auf diesen Oberflächen scheinbar mühelos fortbewegen, hinterlassen sie zudem keinerlei Spuren oder Rückstände - ein für Automobilhersteller höchst interessantes Phänomen, das die Produktion revolutionieren könnte.

Denn im Fahrzeugbau müssen bis heute unterschiedliche Materialien wie Kunststoffe, Schäume und Metall miteinander verklebt werden, damit sie ausreichend steife Einheiten ergeben - was aber den Recyclingprozess am Ende der Einsatzdauer des Autos und eine sortenreine Trennung der in gesetzten Werkstoffe vor nahezu unüberwindbare Hürden stellt. Das besondere Talent der Geckos liefert Ford möglicherweise wichtige Hinweise, um dieses seit Jahren bekannte Dilemma durch neuartige Verbindungstechnologien aufzulösen.

„Der Gecko zeigt uns den Weg zu fortschrittlichen Verbindungstechnologien, mit denen wir weltweit die unterschiedlichsten Aufgaben lösen können", erläutert Debbie Mielewski, Technische Leiterin für die Entwicklung nachhaltiger Kunststoffe bei der Ford Motor Company. „Dies reduziert die Kosten und schont die Umwelt, denn je mehr Kunststoffe und Plastikteile wir rezyklieren können, umso kleiner fällt unser ökologischer Fußabdruck aus".

Die Bionik ist keine neue Wissenschaft, sondern hat bereits viele Entwicklungen positiv beeinflusst: Die Aerodynamik japanischer Hochgeschwindigkeitszüge orientierte sich am Eisvogel. Die Idee für den millionenfach bewährten Klettverschluss lieferten Klettengräser. Die Gestaltung der Nadeln medizinischer Injektionsspritzen profitierte von Moskito-Rüsseln.

Die Entwickler von Ford lassen sich bereits seit gut zehn Jahren von der Natur inspirieren, wenn es um neue Technologien und Materialien geht. Dabei gelangen speziell bei der Garnproduktion für Sitzbezüge und Dachverkleidungen bemerkenswerte Fortschritte. Auf der anderen Seite setzt der Konzern immer stärker auf rezyklierte und recyclebare Werkstoffe. Ein Beispiel hierfür ist die hochleistungsfähige Repreve-Faser, die zu 100 Prozent aus wiederverwendeten Materialien wie etwa Plastikflaschen besteht. Sie kommen heute bereits in fünf Modellreihen weltweit zum Einsatz: vom Focus Electric bis zum Mondeo. Die zum Teil bemerkenswerten Eigenschaften der Pflanzen- und Tierwelt haben Ford bewogen, gemeinsam mit dem amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble das Feld der Bionik intensiver zu erforschen und bereits gewonnene Erfahrungen zu teilen. Ziel ist eine Vielzahl von industriellen Anwendungen.

Angesichts der vielfältigen Möglichkeiten und Chancen der Bionik hat Ford gemeinsam mit Procter & Gamble und der unabhängigen Forschungseinrichtung ‚The Biomimicry Institute‘ unlängst auf dem Ford Campus in Dearborn/USA rund 200 Forscher und Entwickler zu einem Workshop und Erfahrungsaustausch eingeladen. Das 2006 gegründete Institut unterstützt Forscher bei der Entwicklung nachhaltiger Produkte auf Basis der Bionik und unterhält ein eigenes Netzwerk, das regionale Anwender ebenso fördert wie die Lehre dieser Wissenschaft an Schulen und Universitäten. (dpp-AutoReporter/wpr)