Reifendrucksensoren lassen Preise für Reifenwechsel explodieren

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Reifendrucksensoren lassen Preise für Reifenwechsel explodieren. Foto: autobutler/dpp-Autoreporter

Mit steigenden Spritpreisen und dem technischen Fortschritt werden Autos im Unterhalt immer teurer. Die geltenen EU-Gesetze verlangen beispielsweise die Ausstattung vieler Wagen mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS). Was die Sicherheit erhöht, kommt Autofahrern zumindest bei einem direkten RDKS teuer zu stehen: Denn die Nachrüstung dieser Sensoren schlägt mit mehreren hundert Euro zu Buche. Fast täglich erhält das Werkstattportal autobutler.de Anfragen von geschockten Fahrzeughaltern, die nicht glauben können, wie viel ein Reifenwechsel inklusive Nachrüstung der Sensoren inzwischen kosten soll.

Seit November letzten Jahres müssen alle Neuwagen mit einer Erstzulassung ab dem 1. November 2014 sowie Modelle mit einer Typprüfung ab dem 1. November 2012 nach EU-Richtlinien mit sogenannten Reifendrucksensoren ausgestattet sein, die automatisch den Reifendruck messen. Das System alarmiert den Autobesitzer bei Druckverlust, der so vor einer Reifenpanne und damit vor Verkehrsunfällen aufgrund mangelnder Straßenhaftung und erhöhtem Spritverbrauch geschützt wird. Betroffene Modelle kommen ohne Ausstattung mit einem RDKS spätestens ab Mai 2018 keinen TÜV bescheinigt. Allerdings: Die meisten Autobesitzer wechseln zwischen Sommer- und Winterreifen, was ihnen aufgrund der neuen Regelungen teuer zu stehen kommt. Denn eine Preisanalyse unter den Werkstattangeboten auf autobutler.de zeigt, dass der Durchschnittspreis für den Reifenwechsel durch die Sensoren deutlich gestiegen ist.

"Der Grundgedanke des RDKS ist durchaus sinnvoll. Schließlich kann ein falscher Reifendruck durch erhöhten Spritverbrauch teuer werden und gegebenenfalls sogar durch mangelnde Bodenhaftung zu Verkehrsunfällen führen. Dass die Kosten für den zweimal jährlich notwendigen Reifenwechsel nun aber explodieren, ist ein echtes Problem. Immerhin müssen Autobesitzer beim Reifenkauf und dem Nachrüsten der Sensoren bis zu 500 Euro zusätzlich einplanen", erklärt Heiko Otto, Geschäftsleiter bei autobutler.de.

Er betont, dass die Montage und Ausrichtung der Reifen zuvor schnell und einfach durchgeführt werden konnte. Nun bräuchten die Mechaniker hingegen deutlich mehr Zeit, um die Sensoren richtig zu installieren, was wiederum erfordert, das Auto mit einem Computer zu verbinden. So sind nicht nur die teuren Sensoren, sondern für ihre Installation auch spezielles Werkzeug von Nöten.

Abgesehen von den kostspieligen Faktoren hat die neue Regelung einen weiteren Haken: Bei einer Reifenpanne kann nicht einfach gewechselt werden, da das Auto für die richtige Einstellung der Sensoren an einen Computer angeschlossen werden muss. Viele Automarken verzichten deshalb inzwischen auf ein Ersatzrad und stellen statt dessen ein Pannenkit zur Verfügung, mit dem sich der Reifen, wenn nötig, bedürftig flicken lässt. So kann der Fahrzeughalter behutsam bis zur nächstgelegenen Werkstatt fahren. Wurde der Reifen früher nach Möglichkeit relativ kostengünstig geflickt, ist das nun nahezu unmöglich. Wird ein sogenanntes Unfallspray aus dem Pannenkit benutzt, kann dies außerdem zur Zerstörung des Sensors führen, so dass die Werkstatt gezwungenermaßen einen kompletten Reifentausch durchführen muss.

Wer dieses Jahr das erste Mal auf Winterreifen wechselt und ein direktes RDKS installiert hat, muss mit hohen Zusatzkosten für die Nachrüstung der Sensoren an den Winterrädern rechnen. Bis zu 500 Euro kann diese kosten. Mercedes Fahrer dürfen sich auf Zusatzkosten von rund 250 Euro allein für die Sensoren freuen. Hinzu kommen die Kosten für die Montage. BMW Fahrer müssen sogar mit rund 280 Euro rechnen, Hyundai Besitzer je nach Modell sogar mit bis zu 320 Euro. Noch tiefer müssen Audi Fahrer in die Tasche greifen, auf sie kommen Kosten von bis zu 360 Euro zzgl. der Montagekosten zu

„Wir empfehlen wirklich jedem, keinesfalls mit Sommerreifen im Winter zu fahren, da das Risiko, auf nassen und vereisten Straßen in einen Unfall verwickelt zu werden, so deutlich steigt. In diesem Fall schaut es allerdings so aus, als wenn genau das aufgrund der viel zu stark gestiegenen Kosten passieren wird", befürchtet Otto. (dpp-AutoReporter)