Interview: Deutsche Autobauer haben bei der CO2-Minderung die Nase vorn
2. Feb 2011 - Auto-Reporter.NET
Im vergangenen Jahr ist es den deutschen Konzernmarken gelungen, die Verbräuche ihrer Neufahrzeuge deutlich zu verringern. Dementsprechend nahmen die CO2-Emissionen um drei Prozent ab. Anders die Entwicklung bei den Importfahrzeugen; hier erhöhte sich der CO2-Ausstoß sogar um 0,6 Prozent. Dieser Trend sei vor allem vor dem Hintergrund bemerkenswert, dass im vergangenen Jahr im Vergleich zum Krisen- und Umweltprämienjahr 2009 der Anteil von Fahrzeugen der Mittelklasse und oberen Mittelklasse bei den Neuzulassungen wieder zugelegt hat, wie Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, heute auf einer Pressekonferenz in Berlin betonte.
?: Herr Wissmann, auf der heutigen Pressekonferenz konnte der VDA eine erfreuliche Bilanz ziehen. Immerhin weisen die deutschen Konzernmarken weltweit in allen Segmenten niedrigere CO2-Werte auf als ihre Mitbewerber ...
Wissmann: Ja, das ist sehr erfreulich. Die Zahlen für 2010 zeigen, dass die CO2-Emissionen bei den Neuzulassungen deutscher Konzernmarken im vergangenen Jahr um drei Prozent zurückgegangen sind. Damit sind wir deutlich besser als unsere internationalen Wettbewerber. Und das ist keine Eintagsfliege. Bereits in den Jahren 2008, 2009 gab es ähnlich erfreuliche Ergebnisse. Natürlich ist uns das auch strategisch besonders wichtig, denn der Verbraucher möchte ein verbrauchsoptimiertes Fahrzeug mit einer gutem Ökobilanz.
?: Deutsche Firmen investieren 40 Prozent ihrer Forschungs- und Entwicklungsgelder in alternative Antriebe, obwohl davon ausgegangene werden kann, dass diese Energiesparmodelle lediglich einen Marktanteil von fünf Prozent haben werden. Wie lange lässt sich eine solche Investition stemmen?
Wissmann: Das können wir einige Jahre durchhalten, weil wir in Zukunft investieren und in die Erwartung, dass sich die Marktanteile nach 2020 deutlich verändern werden. Klar ist, es ist eine Option auf die Zukunft. Wir müssen auch bei den alternativen Antrieben weltweit eine Spitzenstellung haben, wenn wir nicht in einigen Jahren anderen hinterherfahren wollen.
?: Der VDA setzt sich dafür ein, dass auf Deutschlands Straßen Super-Lkws zum Einsatz kommen? Bislang werden bei den Nutzfahrzeugen angeblich bis zu 40 Prozent der aufgewendeten Energie dem Luftwiderstand geopfert. Was wäre die Lösung?
Wissmann: Wir glauben, dass sogenannte Lang-Lkws mit zum Beispiel 25 Meter Länge für den Verkehr erhebliche Vorteile bringen können. Wir gehen davon aus, dass dann in zwei Lastern dieselbe Fracht befördert werden kann wie zuvor in drei. Dazu müssen diese Lkws aerodynamisch anders gestaltet werden, um so den Verbrauch und die CO2-Emissionen zu reduzieren. Wir sind uns mit der Bahn AG auch darin einig, dass der dazu von der Bundesregierung unternommene Feldversuch richtig ist.
?: Dabei handelt es sich ja nicht um die Gigaliner, die früher mal im Gespräch waren ...
Wissmann: Genau. Die Idee vom Sechzigtonner oder Gigaliner, manche haben das dann böswillig „Monstertruck“ genannt, verfolgen wir als Automobilindustrie nicht. Wir verfolgen ganz bewusst ein Konzept, das man durchaus Ökolaster nennen könnte. Denn wenn man die Zahl der Fahrten verringern und gleichzeitig etwas mehr Fracht befördern kann, ist das ein guter Beitrag auch für die Umwelt.
?: Sie haben mit der Bahn eine Allianz geschlossen. Was hat Sie dazu bewogen?
Wissmann: Wir glauben, die alten Grabenkämpfe, bei denen man sich wechselseitig beschuldigt – Auto gegen Bahn, Bahn gegen Auto –, die machen keinen Sinn. Jeder vernünftige Automobilist muss wissen, dass er die Bahn in einem modernen Verkehrssystem braucht. Aber jeder vernünftige Bahnenthusiast muss auch wissen, dass man ohne den Lkw die Fracht nicht an jedes Haus befördern kann und man das Automobil braucht. Wir müssen in Mobilitätsketten denken und nicht mehr in diesen alten Frontstellungen, die sich eigentlich überholt haben.
?: Die Autoindustrie will generell weltweit umweltfreundlicher werden. Sind da nicht auch Riesen-Pick-ups im vielfachen XL-Format wie Fords F 150 oder gar Toyotas Tundra, wie sie in den USA angeboten werden, fehl am Platze? Wäre da eine Selbstbeschränkung über den Weltverband realistisch?
Wissmann: Der Weltverband hat da kaum eine Möglichkeit einzuwirken. Wir in Europa wollen andere Konzepte, wir haben auch andere Straßen- und Größenordnungsverhältnisse als in den USA. Wir wissen durchaus um die Klugheit einer weisen Selbstbeschränkung.
(Das Gespräch führte Hans-U. Wiersch/Auto-Reporter.NET)










