Rupert Stadler: 2010 war ein Jahr ungeahnter Wendungen
8. Mar 2011 - Auto-Reporter.NET
Audi zieht auf seiner heutigen Jahrespressekonferenz Bilanz für das 2010. Ein Jahr, das für die gesamte Wirtschaft, speziell aber für die Automobilindustrie, rasantes Umdenken erforderlich gemacht hat. Musste im Krisenjahr 2009 ein abrupter Einbruch auf den Weltmärkten gemanagt werden, nahm die Konjunktur zu Beginn des Jahres 2010 für alle unerwartet rasant Fahrt auf. Die Hersteller mussten sich in kurzer Zeit darauf einstellen.
2010 bezeichnet Audis Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler in seiner Rede vor der Pressekonferenz als „ein Jahr voll ungeahnter Wendungen“. Man habe „erlebt, mit welch erstaunlichem Schwung das Wachstumspendel zurückschlug, doch auch auf welch wackeligen Beinen der Aufschwung noch steht“. Aus diesem ungewöhnlichen Jahr habe Audi für das Unternehmen das Beste gemacht. „Das beweist, dass unser umsichtiges, aber entschiedenes Handeln während der Krise genau richtig war. Die Marke Audi ist heute so stark wie nie.“
Basis dieses Erfolgs seien die Produkte. „Wir haben 2010 wieder neue Segmente und Nischen besetzt, und wie in kaum einem anderen Jahr unseren Premium-Anspruch geprägt: vom A1 über den A7 Sportback bis hin zum A8“, so Stadler in Ingolstadt. Der A1 sei nicht nur der erste Kleinwagen im Premiumsegment, auch in der Kommunikation sei man neue Wege gegangen; ob bei der AreA One, die in europäischen Metropolen Halt machte, der A1 Erlebniswelt am Flughafen München oder der A1-Tour durch deutsche Städte: „Jeder, der wollte, konnte mit unserem A1 noch vor Markteinführung auf Tuchfühlung gehen.“
Im Juli folgte der A7 Sportback. „Mit diesem fünftürigen Coupé haben wir die Lücke zwischen A6 und A8 geschlossen und ein neues Segment definiert: den Sportback der Luxusklasse. Eine leichte Karosserie, gepaart mit den neuesten Motoren-Generationen, elegantem Interieur und einem wunderbaren Design – der A7 Sportback passt perfekt zu Audi“, so der Audi-Chef zu den einzelnen Produkten, die der Marke im vergangenen Jahr letzten Endes zu dem bilanzierten Rekordergebnis verholfen haben. Die Beschreibung des gegenüber der Normalversion um 13 Zentimeter gewachsenen A8L, das Fahrzeug ist seit Herbst beim Händler, bringt Stadler auf einen Nenner: „Ich sage nur: Massagefunktion und Entertainment-Angebot im Fond, Wertigkeit, Effizienztechnologien und souveräne Eleganz.“
Mit 1.092.411 ausgelieferten Autos hat Audi seinen Absatz im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent steigern können. „Damit haben wir unsere Zielmarke von einer Million ausgelieferten Automobilen wieder geknackt, und sogar das Rekordjahr 2008 deutlich übertroffen. 2010 war damit das erfolgreichste Jahr in der Unternehmensgeschichte“, sagte Stadler stolz und kündigt an, dieses Ergebnis 2011 noch zu „toppen und einen neuen Auslieferungsrekord von 1,2 Millionen Automobilen“ aufzustellen.
Stadler: „2010 haben wir in mehr als 40 Märkten Absatzrekorde geschrieben. In Westeuropa haben wir unsere Stellung als führende Premiummarke gehalten. Auch in den USA geht es für Audi stetig nach oben. 2010 haben wir erstmals die 100.000er-Grenze überschritten. China hat vergangenes Jahr das Wachstum wieder extrem getrieben. Wir haben dort 2010 das ein millionste Automobil verkauft und auch im Absatz eine neue Bestmarke erreicht. Insgesamt lieferten wir 227.938 Automobile an Kunden aus, 43,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Auslieferungen der Marke Lamborghini reduzierten sich 2010 um 14,1 Prozent auf 1.302 Fahrzeuge. Diese Zahlen sind vor allem dem Auslauf des Murciélago im Mai geschuldet, dessen Nachfolger erst in den nächsten Monaten auf den Markt kommt.“
Die Fahrzeugproduktion steigerte der Audi-Konzern im Berichtszeitraum um rund 23 Prozent auf mehr als 1.150.000 Einheiten. Ebenfalls eine Höchstmarke in der Unternehmensgeschichte.
Rupert Stadler ging in seiner Rede auch auf die Beschäftigtenzahlen ein, die um vier Prozent zugelegt haben. „Zum Ende des Jahres hatten wir damit erstmalig mehr als 60.000 Mitarbeiter im Audi-Konzern beschäftigt. Gründe dafür sind u.a. erstmals konsolidierte Tochtergesellschaften, die zusätzlichen 100 Ausbildungsplätze, die wir im Jubiläumsjahr ausgeschrieben haben und der Personalaufbau bei Audi Hungaria.“
Auch 2011 will Audi wachsen, dazu kündigt der Chef die Einstellung von mehr als 2.000 neuen Mitarbeitern an: „Das bedeutet, knapp 700 Jugendliche werden ihre Ausbildung bei Audi beginnen; 1.200 Experten werden uns verstärken – vor allem in den Bereichen Elektromobilität und Leichtbau; außerdem übernehmen wir mindestens 200 Leiharbeiter in eine Festanstellung.“
Obwohl zurzeit alles von Elektroantrieben redet, fragt Stadler: „Was ist eigentlich mit der Elektronik im Auto? – In unserem Alltag sind wir heute fast durchgehend online, Mobilität darf da nicht außen vorstehen. Deshalb nutzen wir das Potenzial der digitalisierten Welt und vernetzen das Automobil. Mit seiner Umwelt, mit der Verkehrsinfrastruktur, mit anderen Automobilen, mit all dem, was unsere Kunden in ihrem Leben täglich selbst nutzen. Das schenkt Freiräume, liefert Fahrspaß und schützt vor allem mithilfe von modernsten Assistenz- und Regelsystemen vor kritischen Situationen.“
Audi habe seine Ideen dazu Anfang Januar auf der CES in Las Vegas vorgestellt. In dem Zusammenhang erinnert Stadler an das Projekt travolution in Ingolstadt, bei dem gezeigt wurde, was es bringt, wenn Autos mit Ampeln, Parkhäusern oder Tankstellen kommunizieren: komfortableres und sichereres Fahren sowie geringere CO2-Emissionen. Unter dem Namen „Audi connect“ fassen die Ingolstädter das vernetze Automobil, ihre Ideen und Technologien auf diesem Gebiet zusammen.
Stadler: „Unsere Innovationsstrategie als Ganzes weist allerdings weit darüber hinaus: Es geht hier um die Chance, völlig neue Mobilitätskonzepte zu schaffen. Unsere Kunden wollen sich ohne schlechtes Gewissen fortbewegen können, aber dennoch nicht auf individuelle Mobilität verzichten.“ So lange sich CO2-freies Fahren nicht in allen Lebenslagen umsetzen lasse, sei es „unsere Aufgabe, die Bedürfnisse unserer Kunden auf verschiedene Weise zu erfüllen“.
Bei Audi gehe man davon aus, dass konventionelle Antriebe den Markt in den nächsten Jahren noch dominieren. Deshalb treibe man die Verbrauchsreduzierung weiter voran. „Audi hat 54 Motor- und Getriebevarianten mit weniger als 140 Gramm CO2 pro Kilometer im Programm – mehr als jeder andere Premiumhersteller. 17 Motor- und Getriebevarianten liegen unter 120 Gramm CO2 pro Kilometer“, sagte Stadler. Den Start der Hybrid-Flotte mit dem Q5 hybrid quattro kündigt er für 2011 an. Dann folgen der A6 hybrid und der A8 hybrid.
Wie sich Audi Elektromobilität vorstellt, haben man mit der e-tron-Familie gezeigt: vom A1 e-tron über den e-tron Spyder bis zum rein elektrisch angetriebenen Supersportwagen R8 e-tron. Strategie der Ingolstädter für den Übergang in die Mobilität der Zukunft seien „unterschiedliche Konzepte für individuelle Einsatzzwecke und Kundenbedürfnisse“, so der Audi-Chef.
Als ein Beispiel dafür, wo man bei Themen wie Connectivity und Effizienz tatsächlich stehe, nannte Stadler den neuen A6. „Ein MMI touch, das vorrausschauend Streckendaten an Scheinwerfer, Automatikgetriebe und Adaptive Cruise Control liefert, dann die Google Navigation und der Nachtsichtassistent mit Fußgängererkennung. In wenigen Wochen steht der neue A6 damit bei den Händlern. Die neueste Version unserer Businesslimousine ist ein Leichtgewicht, im besten Sinne des Wortes. Dank konsequentem Leichtbau mit Aluminium und hochfestem Stahl bringt der A6 weniger Gewicht auf die Waage als sein Vorgänger. Diese Leichtigkeit hat Auswirkungen auf den Verbrauch: Über alle Motorisierungen hinweg ist dieser um bis zu 19 Prozent gesunken.“
Stadler freut sich, mit der „Modellauswahl den Nerv der Kunden“ getroffen zu haben. Dafür stünden auch zahlreiche Preise, die Audi 2010 gewonnen hat. Vor Kurzem erst wurde Audi von den Lesern der „Automobilwoche“ zur „Marke des Jahrzehnts“ gekürt. „Eine tolle Auszeichnung, die ich der gesamten Mannschaft widmen möchte, die würdigt, was die Audianer hier täglich leisten und die uns Ansporn sein wird, auch in den kommenden zehn Jahren immer wieder aufs Neue als DIE Marke wahrgenommen zu werden.“ (Auto-Reporter.NET/arie)










