Degussa: Automotive in der Offensive

6. Jul 2004 - Auto-Reporter.Net

  • Artikel als PDF
  • Artikel Versenden
  •  

    Wieso lädt ein Chemieunternehmen zu einem Automotive Innovation Day ein? Und: Was hat Chemie mit dem Automobil zu tun? Weil das kaum jemand weiß, geht die Degussa in die Offensive. Oder, um es mit den von Selbsterkenntnis getragenen Worten von Prof. Utz-Hellmuth Felcht, Vorstandsvorsitzender der Degussa AG, zu sagen: "Wir wissen, dass ein konkretes Bild der Degussa in der Industrie kaum existiert." Das soll sich ändern. Erstmals präsentiert die Degussa AG ihre gesamte Automobilkompetenz auf einem Innovationstag. Unter dem Motto "Degussa for Automotiv"" trafen sich am Standort Hanau-Wolfgang Vertreter der Automobilindustrie und Branchenexperten. Im Mittelpunkt des Informations- und Trendforums standen aktuelle Entwicklungen in der Automobilindustrie sowie Innovationen, "mit denen Degussa dazu beiträgt, Autos schöner, umweltfreundlicher, wirtschaftlicher und sicherer zu gestalten." Die Degussa ist ein Konzernriese. Degussa ist ein multinationales Unternehmen mit konsequenter Ausrichtung auf die renditestarke Spezialchemie. Im Geschäftsjahr 2003 erwirtschafteten 47 000 Mitarbeiter einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 878 Millionen Euro. Damit ist Degussa das drittgrößte deutsche Chemieunternehmen und in der Spezialchemie weltweit die Nummer Eins. Im Geschäftsjahr 2003 erwirtschaftete Degussa allein in der Automobilindustrie einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. Das sind mehr als 11 Prozent des weltweiten Konzernumsatzes. Nach Construction Chemicals sowie Home, Lifestyle und Personal Care ist "Automotive" damit der drittgrößte Endkundenmarkt der Degussa. Auf dem Innovationstag präsentierten acht der 21 Geschäftsbereiche des Spezialchemie-Unternehmens ihre Forschungsergebnisse und Produkte. Zusätzlich zeigte Degussa mit ihrer Innovationstochter Creavis, in der ihre geschäfts- und portfolioübergreifenden Forschungsaktivitäten gebündelt sind, Systemlösungen für Zukunftsmärkte mit überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial - was Degussa-Chef Felcht natürlich erfreut: "Die Automobilindustrie beweist als eine unserer bedeutendsten Abnehmer die Relevanz unseres strategischen Konzepts Solutions to Customers: Wir liefern innovative Systemlösungen, die auf Basis unserer Stärken - interne Vernetzung und genaue Kenntnis der Kundenbedürfnisse und -systeme - entwickelt und realisiert wurden." Die Herausforderungen an künftige Kooperationsnetzwerke in der Automobilindustrie zeigte Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Marketing und Managementwissenschaften an der Universität für Angewandte Wissenschaften in Gelsenkirchen sowie Direktor des Center of Automotive Research (CAR), auf. "Die von den Automobilherstellern getriebene Neudefinition der weltweiten Lieferantennetzwerke wird zu effizienten Kostenstrukturen und zur Optimierung der Wertschöpfungskette bei allen Beteiligten führen." Im Fokus liegt dabei der Endkunde, und der ist anno 2004 anspruchsvoller denn je. Vorbei die Zeiten, als sich Fahrzeuge ausschließlich über die Attribute Zuverlässigkeit, Dynamik und Sparsamkeit erfolgreich auf den Märkten behaupten konnten. Bereits in der Mittelklasse legt König Kunde Wert auf Luxus und Wertigkeit. Optik und Haptik werden vom Käufer oft höher bewertet als die reine Funktionalität, die als selbstverständlich vorausgesetzt wird. So entwickelt sich das Fahrzeugdesign zunehmend zur Kernkompetenz. Design weckt Emotionen, doch der beste Designer kann nur so viel von seinen Ideen umsetzen, wie es die Technik erlaubt. Er ist zwingend auf modernste Fertigungstechniken und innovative Werkstoffe angewiesen. So bestehen die Abdeckungen der A-Säulen im so erfolgreichen BMW Mini aus Plexiglas. Dieser Werkstoff hat eine hervorragende Farb- und Witterungsbeständigkeit und zeigt eine hochglänzende und robuste Oberfläche, die sogar ein Auspolieren kleinerer Kratzer zulässt. Neben transparenten Abdeckungen für Tachometer und Rückleuchten wird Plexiglas künftig für viele weitere Automobilteile - wie Spoiler, Schiebedachverblendungen oder Spiegelgehäuse zum Einsatz kommen. Neben der Optik spielt die Haptik, der Tastsinn also, eine entscheidende Rolle. Der Fahrzeuginnenraum muss daher nicht nur fürs Auge etwas hermachen, sondern sich zusätzlich auch angenehm anfühlen. Die "richtige Griffigkeit" der Materialoberfläche erhält vor allem dann große Bedeutung, wenn die Komponenten aus Kunststoff bestehen. Degussa hat hier innovative "Softfeel-Lacke" wie ACEMAT 3200 und 3300 entwickelt, die "eine stumpfmatte und zugleich griffige Oberfläche" schaffen. Oder haben Sie schon einmal von "Gas Blacks" gehört? Das sind farbgebende Gasruße, die für das schwärzeste Schwarz aller Zeiten sorgen und darüber noch einen edel schimmernden Blauton legen. Diese "Verlaufsadditive" von Degussa werden dem Lack beigemischt und erzeugen gleichmäßig strukturierte, ebene Oberflächen. Lithium-Batterien gelten als aussichtsreiche Kandidaten für die zukünftige mobile Energieversorgung: Sie besitzen eine hohe Energiedichte, sind leicht und wesentlich kleiner. Allerdings sind sie thermisch und mechanisch wenig belastbar und reagieren empfindlich auf Überladungen. Damit Lithium-Akkus künftig vermehrt auch als Großbatterie in modernen Elektro- und Hybridfahrzeugen eingesetzt werden können, hat Degussa keramische Separatoren entwickelt und auf den Namen Separion getauft. Der Separator bietet auch in Extremsituationen ein hohes Maß an Sicherheit. Zusätzlich kann er mit einem Abschaltmechanismus ausgestattet werden, der den Ionenfluss bei einer definierten Temperatur unterbricht. Dadurch lässt sich ein zu starkes Aufheizen der Batterie wirkungsvoll verhindern. Zudem ist Sepatrion physikalisch und chemisch stabiler als die bislang als Separator eingesetzten Polyolefinfilme und erhöht dadurch die Sicherheit und Leistung von Lithiumbatterien. Mit Hilfe des Hightechmaterials der "Pyrogenen Oxide" könnten Degussa Forscher der Brennstoffzelle zum Durchbruch verhelfen. Durch die Verwendung eines Oxidpulvers für die Zellenbeschichtung kann die Dichte der Zellen bemerkenswert reduziert werden. Gleichzeitig sinkt die Betriebstemperatur von bisher 800 - 1000°C auf 600 - 700°C. Im Karosseriebau wird immer mehr geklebt als geschraubt oder geschweißt. Heute erreicht die Klebstoffmenge bei neueren Modellen bis zu fünf Kilogramm pro Auto. Die Direktverglasung mit zweikomponentigen Polyurethanklebstoffen ist ein Beispiel für Glas/Metall-Verbindungen. Diese Multifunktionsverklebung hält die Scheibe auch im Falle eines Unfalls, erhöht die Karosseriesteifigkeit und ermöglicht ein hohes Maß an Prozessautomatisierung. Der neueste Trend ist der Einsatz struktureller Metallklebstoffe. Damit lassen sich wesentliche Verbesserungen bei Karosseriesteifigkeit und Crashverhalten erzielen. Kunststoff und Metall werden besonders am Fahrzeugbug mit zweikomponentigen Acrylatklebstoffen verbunden. Das Kunststoffteil unterstützt die Fahrzeugstruktur und fängt im Crashfall Energie auf. Gewichtsverringerung, Formgebungsvielfalt und Strukturfestigkeiten in Kombination mit Metallteilen sprechen für einen vermehrten Einsatz des Klebens. So konzentriert sich die Degussa Forschung auf die Optimierung der Klebetechnik Fahrzeugproduktion weiter zu vereinfachen. Dazu zählen zum Beispiel der Spritzauftrag oder auch die Optimierung des Schlagverhaltens zu höheren Werten und geringerer Temperaturabhängigkeit. Auch die Entwicklung leistungsfähiger zweikomponentiger Klebstoffe, die im Reparaturfall ohne die üblichen hohen Härtungstemperaturen auskommen, wird derzeit forciert. Ein Verfahren zur Erzeugung von Metallschäumen, insbesondere aus Aluminium, entwickelt derzeit der Geschäftsbereich Oligomere & Silicone. Metallschäume haben ähnliche mechanische Eigenschaften wie die kompakten Metalle, sind aber leichter und aufgrund ihrer porösen Struktur vibrationsdämpfend, so dass sie auch schalldämpfend wirken. Schaumaluminium besitzt eine hohe Steiffestigkeit und ein geringes spezifisches Gewicht. Kein Wunder, besteht es doch etwa zu 85 Prozent aus Luft und lediglich zu 15 Prozent aus Metall. Alu-Schaum schwimmt aufgrund seiner geringen Dichte sogar auf Wasser. Diese Eigenschaften sind für die Automobilindustrie interessant: Mit Metallschäumen lassen sich Gewicht und damit Benzinverbrauch von Autos weiter reduzieren; schalldämpfende Karosserieteile verringern darüber hinaus den Lärmpegel im Innenraum. Erzeugt werden die Aluminiumschäume direkt aus dem flüssigen Metall mit dem Treibmittel Magnesiumhydrid, das der Bereich ursprünglich zur Herstellung modifizierter Silicone entwickelt hat. Chemie steckt also in allen Ecken des Autos, und dieser Trend wird sich noch verstärken. Die Degussa hat das erkannt und scheint für die Zukunft gerüstet.

     
     
     

    Newsletter Ein-/Austragen

     Tragen Sie bitte hier Ihre E-Mail-Adresse ein, 
     um Sich für unseren Newsletter anzumelden.
     

     

    Highlights

    Aktuelle Bilder

     

    Aktuelle Videos

     

    Weitere Dienste