DaimlerChrysler-Hauptversammlung: Zetsche noch nicht zufrieden
12. Apr 2006 - Auto-Reporter.Net
DaimlerChryslers neuer Vorstandsvorsitzender Dr. Dieter Zetsche erwartet für das laufende Geschäftsjahr eine verbesserte Ertragslage und will den Operating Profit in den Folgejahren kontinuierlich weiter steigern. Das erklärt der Zetsche am Mittwoch in seiner ersten Rede in seiner neuen Rolle vor rund 8000 Aktionären in der Hauptversammlung der Gesellschaft (Börsenkürzel DSX) heute in Berlin. "Wir haben uns dabei anspruchsvolle, aber realistische Ziele gesetzt, die wir in einem überschaubaren Zeitrahmen erreichen wollen." Mit dem Ergebnis des vergangenen Geschäftsjahres in Höhe von 2,8 Mrd. Euro ist Zetsche allerdings nicht zufrieden. Es liegt nur 300 Mio. Euro über dem des Jahres 2004. Als eine wesentliche Voraussetzung für die angekündigte Ergebnisverbesserung nannte Zetsche das neue Managementmodell, das der Vorstand Ende Januar beschlossen hat. Ziel sei es unter anderem, die Verwaltung zu verschlanken und Doppelkapazitäten zwischen Konzern- und Geschäftsfeldebene abzubauen. Die Berichtswege und Entscheidungsprozesse würden damit schneller und schlanker. Darüber hinaus sollen Prozesse und Methoden sowohl innerhalb als auch zwischen den Geschäftsfeldern harmonisiert und standardisiert werden. Die Vernetzung werde in Zukunft deutlich enger. Die Identität der Marken werde laut Zetsche dadurch nicht beeinflusst. Durch die Umsetzung des neuen Managementmodells werden auch rund 6000 Stellen in den Verwaltungsbereichen weltweit entfallen. In Deutschland werden den leitenden Führungskräften Ausscheidensvereinbarungen sowie Frühpensionierungen angeboten. Bei den tariflichen Mitarbeitern werden alle Schritte auf Grundlage der Vereinbarung zur Zukunftssicherung 2012 geschehen, die im Juli 2004 abgeschlossen wurde. Zetsche ist zuversichtlich, in der Mercedes Car Group im Jahr 2007 wie geplant eine Umsatzrendite von 7 Prozent zu erwirtschaften. Die Trendwende beim Ergebnis sei im zweiten Quartal 2005 erreicht worden. Der Personalabbau von 8500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Geschäftsfeld bis Ende September diesen Jahres liege mit rund 7800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bis jetzt freiwillige Ausscheidensvereinbarungen oder Frühpensionierungen in Anspruch genommen haben, im Plan. Die Chrysler Group will bis 2007 bei Produktivität, Qualität und Kundenzufriedenheit - so Zetsche - "Schulter an Schulter mit den weltbesten Wettbewerbern liegen - und natürlich mit ihren Produkten faszinieren". Im laufenden Jahr werden zehn neue Produkte eingeführt, mehr als jemals zuvor in einem Kalenderjahr. Das Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge hatte im vergangenen Jahr das Effizienzsteigerungsprogramm "Global Excellence" aufgelegt, mit dem Größe und Marktposition des Geschäftsfelds die Profitabilität deutlich verbessert werden soll. Im Januar 2006 wurde im Rahmen des neuen Managementmodells eine neue Geschäftsverteilung beschlossen: Das Geschäftsfeld "Truck Group" wird sich auf das Lkw-Geschäft fokussieren, das Transportergeschäft wird an den Leiter der Mercedes Car Group berichten, das Omnibusgeschäft an den Leiter der Truck Group. Das Geschäftsfeld Financial Services will in diesem und in den kommenden Jahren im Kerngeschäft profitabel wachsen. Seit November vergangenen Jahres bietet Financial Services in China als erstes Finanzdienstleistungsunternehmen Finanzierungen für Pkw und Nfz sowie Versicherungen an und unterstützt damit die Erschließung dieses wichtigen Marktes durch das Fahrzeuggeschäft. Auf Konzernebene setzt DaimlerChrysler die Konzentration auf das automobile Kerngeschäft fort. Dazu gehört auch die Reduzierung des 30-prozentigen Anteils an der European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) auf 22,5 Prozent. DaimlerChrysler will aber ein wesentlicher Anteilseigner bleiben. "Sollten wir uns letztlich zu einer solchen Reduzierung auf 15 Prozent entschließen," führte Zetsche aus, "streben wir an, die Balance zwischen französischen und deutschen Anteilseignern weiterhin aufrecht zu erhalten." Zur Fokussierung auf das Kerngeschäft trägt auch der Verkauf von MTU Friedrichshafen im Jahr 2005 an den schwedischen Finanzinvestor EQT bei. Der Operating Profit betrug 5,2 Mrd. Euro. Ohne die Belastungen in Höhe von 1,1 Mrd. Euro, die aus der Neuausrichtung des Geschäftsmodells von Smart entstanden sind, hat der Operating Profit über dem des Vorjahres (2004: 5,8 Mrd. EUR) gelegen. Der Konzernumsatz stieg um fünf Prozent auf rund 150 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis lag mit 2,8 Mrd. Euro über dem des Vorjahres in Höhe von 2,5 Mrd. EUR. Zetsche zeigt sich mit dem Ergebnisniveau des Vorjahres nicht zufrieden: DaimlerChrysler habe auf Konzernebene seine Kapitalkosten nicht verdient und sei noch deutlich von dem Ziel, einen Return on Net Assets (RoNA) von zehn Prozent zu erreichen, entfernt. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung für das Jahr 2005 die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von unverändert 1,50 Euro je Aktie vor. Ein detaillierter Ergebnisausblick für das Gesamtjahr wurde für die Bekanntgabe der Ergebnisse zum ersten Quartal am 27. April 2006 angekündigt. (ar/Sm)










