Jeder Vierte vermasselt Führerscheinprüfung. Eine Geschäftsidee?

15. Sep 2010 - Auto-Reporter.NET

Vor allem bei den theoretischen Führerscheinprüfungen ist die Durchfallquote hoch. Foto: TÜV Rheinland/Auto-Reporter.NET
 

Nach einer Studie, die der ACE Auto Club Europa nach Auswertung von Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes veröffentlicht hat, fällt jeder vierte Führerschein-Anwärter bei der Fahrerlaubnisprüfung durch. Trotz gleicher Fragestellungen im Theorieteil und Anforderungen im praktischen Teil ist ein deutliches West-Ost-Gefälle festzustellen. Der ACE bemängelt eine fehlende Ursachenforschung und schließt nicht aus, dass gar kein Interesse an besseren Prüfergebnissen bestehen könnte. Schließlich klingelt’s jedes Mal in den Kassen der Fahrschulen.

Die Durchfallquote in mehreren ostdeutschen Bundesländern kritisierte der ACE als „viel zu hoch“. Die Fahrschulen dort müssten sich zum Handeln herausgefordert fühlen. Im bundesweiten Durchschnitt sind die Werte der Theorie-Tests mit 29,94 Prozent Durchfallquote schlechter als die der praktischen Prüfung (25,37 %). Die fünf ostdeutschen Bundesländer finden sich bei allen Prüfungen auf den hinteren Plätzen wieder. Durchfallquoten von mehr als 40 Prozent im theoretischen Teil sind üblich, Sachsen-Anhalt bringt es als Schlusslicht sogar auf knapp 44 Prozent. Bei den praktischen Fahrproben haben die Prüfer bei etwa jedem dritten Prüfling Grund zur Beanstandung des fahrerischen Könnens. Schlusslicht bei der Praxis-Prüfung ist allerdings Hamburg, wo vier von zehn Schülern zur erneuten Prüfung antreten müssen.

Obwohl das Problem seit Jahren bekannt sei, gebe es keine wirkliche Ursachenforschung, kritisiert der Autoklub. Deshalb dränge sich der Verdacht auf, dass es in der Branche kein aufrichtiges Interesse an einer Verbesserung der Situation gebe. Möglicherweise liege der Grund darin, dass sowohl Fahrschulen als auch Prüforganisationen an Wiederholungsprüfungen gut verdienten.

Gernot Heiler, Sprecher der Deutschen Fahrlehrer-Akademie, warnte vor dem Hintergrund des Überangebots von Fahrschulleistungen in den neuen Bundesländern und der dadurch entstehenden massiven Konkurrenz der Fahrschulen untereinander: „Eine permanent höhere Durchfallquote könnte für Fahrschulen und Prüforganisationen eine höhere Auslastung ihrer Kapazitäten und somit höhere Rendite bedeuten.“

Laut ACE ist die Prüfungszahl im vergangenen Jahr gegenüber 2008 um etwa zehn Prozent gesunken. Favoriten, vor allem bei jungen Menschen, sind weiterhin die Pkw-Führerscheine der Klassen B beziehungsweise BE. Die unter 25-Jährigen stellen mit einem Anteil von mehr als 88 Prozent den Großteil aller Pkw-Führerscheinanwärter. Besonders groß ist das Interesse am begleiteten Fahren ab 17 Jahren. Jeder Dritte, der 2009 eine Pkw-Fahrerlaubnis erwarb, war noch nicht volljährig.

Während bei den „normalen“ Pkw-Führerscheinen 34,56 Prozent der Prüfungen als nicht bestanden gewertet werden müssen, liegt der Anteil bei den Prüfbescheinigungen zum begleiteten Fahren mit 17 mit 24,25 Prozent deutlich darunter. Bei angehenden Motorradfahrern (Klasse A: 14,31 %), Lkw-Aspiranten (15,43 %) und Busfahrern (12,18 %) ist eine auffallend niedrigere Quote nicht bestandener Prüfungen zu verzeichnen. Der ACE erklärt sich das sowohl mit einer hohen Motivation der Bewerber für diese Klassen als auch mit langjährig entwickelten Ausbildungskonzepten. (Auto-Reporter.NET/br)

 
 
 

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