Kommentar: Treibjagd

20. Jul 2008 - Auto-Reporter.Net

Peter Schwerdtmann
 

Zeitgleich präsentieren in diesen Tagen die beiden deutschen Premium-Marken Audi und Mercedes-Benz ihre Antwort auf den BMW X3, der nun immerhin schon fünf Jahre Zeit hatte, sich in der Nische der kompakten edlen Sports Utility Vehicle (SUV) breitzumachen. Jetzt blasen Audi mit dem Audi Q5 und der Mercedes-Benz mit dem Mercedes-Benz GLK zur Jagd auf den Platzhirsch. Warum erst jetzt? Neue Konzepte wandern bei den Automobilherstellern eben oft von oben nach unten, bei Audi vom Q7 zum Q5 und später über den Q3 bis zum Q1. Mercedes-Benz sah sich dagegen eher mitten in einem Luxus-Problem. Das gute alte G-Modell scheint auf ein „ewiges“ Leben eingerichtet zu haben, mit dem ML hatte man einst die Klasse der Edel-SUV eröffnet; und mit der R-Klasse wurde das Zwischending von Riesen-Kombi, Kleinbus und Geländewagen etabliert. Alle ebenfalls ganz oben angesiedelt. Der Marsch in die Mittelklasse der Edel-SUV beginnt allerdings gerade rechtzeitig - bei Mercedes-Benz im Herbst 2008 und bei Audi im Winter 2008/2009. Sie treffen in ihren Märkten auf einen doppelten Trend. Erstens liegen kleine, aber feine Autos schon seit Jahren im Trend und zweitens sind sie eine Antwort auf die Absage vieler Käufer an die Großen. So gesehen kommen die beiden Neuen nicht gerade noch rechtzeitig in der Nische an, sondern genau richtig. Obwohl jedermann weiß, wie lange die Entwicklung eines neuen Autos dauert, sieht es nun doch so aus, als hätten beide Unternehmen auf die Klima- und Treibstoffkostendiskussion reagiert. Und in der Tat können beide auf deutlich gesenkte Verbrauchswerte hinweisen. Das wird viele zu der Aussage verleiten, man müsse die Industrie nur unter Druck setzen, dann leiste sie auch etwas. Daran wird auch der Hinweis auf die langen Entwicklungszyklen nichts ändern. Beide Unternehmen gehen davon aus, dass nicht nur Treibstoffpreise für die kleineren Modelle sprechen. GLK und Q5 sind keine Schnäppchen. Sie bieten HighTech und Luxus in demselben Maße wie die Spitzenmodelle. So kann sich jeder Markt seine Argumente zurecht legen. Die einen können beim Verkauf auf Umwelt und Energie hinweisen, die anderen können den Trend zum kleineren Fahrzeug verbinden mit dem Hinweis, dass die neue Mittelklasse der Edel-SUV nichts mit Verzicht zu tun hat. In Amerika werden beide Argumente gut ankommen. (ar/Sm)

 
 
 

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