90 Prozent aller Automobilhändler verdienen zu wenig
2. Sep 2010 - Auto-Reporter.NET
Mehr als 90 Prozent aller Automobilhändler in Deutschland verdienen zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Erfolgreiche Sanierung und Restrukturierung im Automobilhandel“ der Dekra Consulting GmbH. Mit der neuen Studie wird an die 2008 veröffentlichte Studie zum Thema „Sanierung und Restrukturierung im Automobilhandel“ angeknüpft, die Erhebungen zu Branchensituation und Benchmarks wurden aktualisiert.
Das größte Risikopotenzial für die Firmen sieht Geschäftsführer Christian Polzer derzeit in deren unzureichender Umsatzrendite: „Für die Schaffung von Unternehmenswert ist eine Rendite von 2,2 Prozent Voraussetzung. Diese Stellgröße wird jedoch vielfach unterschritten. Die überlebenswichtige nachhaltige Ertragssicherung findet damit bei der Mehrheit der Betriebe nicht statt.“ Die Spannweite zwischen renditestarken Unternehmen und Sanierungsfällen nimmt laut Studie weiter zu. Das Gebot der Stunde lautet: „Sanierung und Restrukturierung“.
Im empirischen Teil geht die Studie vor allem auf das Ausnahmejahr 2009 ein. Auch wenn die Umweltprämie einen Absatzschub bei Neuwagen auslöste, habe sie die Renditesituation im Handel nicht nachhaltig verbessern können, heißt es. Strukturelle Probleme in der Branche seien nach wie vor vorhanden, und das Rabattniveau im Neuwagengeschäft sei deutlich zu hoch gewesen. Auch habe nach Meinung der Experten der Neuwagenboom zahlreiche Unternehmen das Gebrauchtwagengeschäft vernachlässigen lassen. Des Weiteren seien wichtige strukturelle Restrukturierungsmaßnahmen ausgesetzt worden, und die Insolvenzquote habe trotz Finanzmarktstabilisierungsgesetz auf einem sehr hohen Niveau verharrt.
Als Novum im Vergleich zu den vergangenen Jahren wurde ausgemacht, dass nicht nur kleine und mittelständische Unternehmen Probleme bekommen, sondern vermehrt auch große und traditionsreiche Unternehmen in Schieflage geraten. „Die eingesetzte Konsolidierung hat und wird sich weiter fortsetzen“, heißt es dazu.
Die Kapitalbindung im Kfz-Handel habe vor allem in Folge höherer Lagerhaltung und deutlich gestiegener Standtage im Gebrauchtwagensektor zugenommen. Die Eigenkapitalquote liege stabil bei niedrigen elf Prozent. Die Abhängigkeit von externen Finanzmitteln sei im Branchenvergleich extrem hoch. Die Finanzkrise habe die Aufnahme auch von gut besicherten Krediten aber deutlich erschwert mit der Folge, dass es Banken in der Abwägung zwischen Sanierungsbegleitung und Abwicklung bzw. Insolvenz schwerer falle, Sanierungen zu begleiten und das notwendige Kapital zur Verfügung zu stellen.
Die Marktsituation im Automobilhandel werde sich in den kommenden Jahren nicht merklich bessern. Aber es wird nach Einschätzung von Christian Polzer auch in Zukunft „Top-Performer“ geben, die selbst in schwierigen Zeiten sehr gute Leistungen erzielen und neue Chancen konsequent nutzen. Auch auf die Frage, wie sich Top-Performer von weniger erfolgreichen Unternehmen der Branche unterscheiden, geht die Studie ein. Genannt werden Faktoren wie eine klare Handelsstrategie, gute Führung und weitsichtige Personalentwicklung, systematisches Kostenmanagement sowie exzellente Prozesse. Das seien einige zentrale Handlungsfelder für langfristigen Unternehmenserfolg.
Überrascht hat die Experten die nach wie vor mangelhafte flächendeckende Umsetzung der Erfolgsfaktoren. Polzer: „Allerdings gelingt es einer Gruppe von Automobilhandelsunternehmen, auch unter schwierigen Umfeldbedingungen angemessene Renditen zu erzielen.“ Dies bedeute, dass die Ursachen für Erfolg oder Misserfolg zu großen Teilen in den Unternehmen begründet und somit von den Unternehmen selbst beeinflussbar seien. (Auto-Reporter.NET/sr)










